»Der Krieg war ausgebrochen, als er in die Schule gekommen war. Kadja, die Lehrerin, lehrte sie das Alphabet, als sei nichts passiert. Ihr Gesicht war heiter, und ihre Grübchen in den Backen erfreuten den Jungen und ließen ihn die ganze Welt vergessen. Doch eines Tages, in der Pause, sagte Moschik zu ihm: >Heute habe ich einen deutschen Soldaten gesehen, einen echten.< Und Schlomo meinte geringschätzig: >Na und? Ich habe viele gesehen, vielleicht zehn! Direkt neben unserem Haus. Ehrlich!< War das der Tag, an dem die Eltern angefangen hatten zu streiten? Polen war besetzt, die deutsche Armee war in Lodz eingezogen; den Juden wurde befohlen, den gelben Stern auf der Brust zu tragen — den Davidstern, der sie von der übrigen Bevölkerung trennte -, und Papa hörte auf, in der Schreinerei zu arbeiten.« Jankeles Familie ist vor den Nazis nach Rußland geflohen. Sein Vater hat sich der Roten Armee angeschlossen, von seiner Mutter wird der Neunjährige während eines Bombenangriffs getrennt. Um zu überleben, lernt er stehlen, schläft in den Kohlehalden der Bahn. Jahrelang reist er so durch die Weiten Rußlands, durch Kasachstan und Usbekistan. Als Jascha verbündet er sich mit den Straßenkindern, arbeitet für eine Prostituierte und kümmert sich um ein Mädchen, das sexuell mißhandelt worden ist. Mit den Eltern wiedervercint, fällt es ihm schwer, wieder zum Kind zu werden.