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Wollenberger, Vera: Virus der Heuchler. Innenansicht aus Stasi-Akten.

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Wollenberger, Vera: Virus der Heuchler. Innenansicht aus Stasi-Akten.
»Der >Fall Donald< ist natürlich vor allem meine persönliche Tragödie«, schrieb Vera Wollenberger, nachdem ihr damaliger Ehemann als Stasi-Spitzel enttarnt wurde. »Der Zustand, in dem ich mich befand, war unbeschreiblich. Lieber hätte ich jahrelangen Stasi-Knast auf mich genommen, als das erleben zu müssen. Ich bin für die schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit. Ich bin dafür, daß wir uns darüber klarwerden müssen, was das für eine Gesellschaft war, in der wir gelebt haben. Aber ich habe auch erfahren, daß Aufarbeitung so nicht funktioniert.« Wie zahlreiche andere Bürgerrechtlerinnen hat Vera Wollenberger Anfang 1992 in ihre Stasi-Akten eingesehen. Beispielsweise in die unter den Decknamen »Virus« und »Heuchler« angelegten »Operativvorgänge«. Hinter einem Gespinst aus Lügen, Manipulationen und Intrigen ist das Ränkespiel der Macht zu erkennen. Die geistigen Initiatoren scheuten weder davor zurück, ihren Sohn zerstören zu wollen, noch den Ehemann als Spitzel einzusetzen. In diesem Buch zitiert, kommentiert und interpretiert sie diese Akten und stellt ihnen Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Erinnerungen gegenüber. Ein schmerzhafter Prozeß: »Doch die Wiederkehr des Schmerzes signalisiert oft die Rückkehr ins Leben ... Wir können in den Akten erkennen, wo Fehler und Irrtümer unsere eigenen und wo sie stasigemacht waren. Wir können so grundloses Mißtrauen und grundlose Feindschaft überwinden. Doch über uns selbst können wir aus den Akten wenig erfahren. Wir sehen nur unser Zerrbild. Unser Verstand, unser Gefühl, unsere Erinnerung sind das notwendige Korrektiv.« Vera Wollenberger gehörte in den achtziger Jahren zu den Aktivisten der unabhängigen Friedens- und Ökologiebewegung in der DDR, sie war unter anderem Mitbegründerin der »Kirche von unten«. Die Folgen ihres politischen Engagements: Ausschluß aus der SED und Berufsverbot, Anfang 1988 Verhaftung durch die Staatssicherheit wegen »versuchter Zusammenrottung« und Abschiebung nach England. Im November 1989 Rückkehr in die DDR und Eintritt in die Grüne Partei, Abgeordnete der letzten Volkskammer der DDR und seit Oktober 1990 Mitglied des Bundestages.
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