Vorwort der Originalausgabe: Fast drei Viertel eines Jahrhunderts trennen uns von jenen Tagen, da Alexander Fjodorowitsch Moshaiski am Bau seines Flugzeugs gearbeitet hat. Moshaiski erlebte die Gleichgültigkeit der Vertreter des zaristischen Regimes, ihr Unverständnis gegenüber den Grundlagen, auf denen seine große Erfindung beruht, den verbissenen Widerstand der heimlichen und offenen Feinde Rußlands; er litt Sorge und Not -- aber er überwand alles und erfand, baute und erprobte das erste Flugzeug. Mit der Vervollkommnung des Flugzeugs und seines Motors bahnte er der Technik neue Wege. Erst der Tod machte seinem Schaffen ein Ende. Er starb als Kämpfer, ohne jemals in seinem Leben vor Schwierigkeiten zurückgewichen zu sein. Aus Liebe zu seinem Vaterland und zu dessen Wohl hat er um das Neue gerungen. Jene Kreaturen, denen Ehre und Ruhm der Nation fremd waren und die bereitwillig die Vorrangstellung Rußlands auf dem Gebiet der bedeutendsten Entdeckungen und Erfindungen Ausländern abtraten, versuchten mit allen Mitteln, Moshaiski und sein Werk in Vergessenheit geraten zu lassen. Uns sind weder Modelle erhalten, mit denen Moshaiski Versuche angestellt und die grundlegenden Gesetze des Fluges entdeckt hat, noch besitzen wir den nach seinem Entwurf gebauten Motor, geschweige denn das von ihm geschaffene Flugzeug. Vieles ist vernichtet, vieles verlorengegangen oder der Vergessenheit anheimge f allen, vieles nur entstellt und verzerrt überliefert. Daher ist auch die Arbeit der sow jetischen technischen Geschichtsforscher, die es sich zur Aufgabe machten, der Wahrheit über den ersten Flugzeugbau zu ihrem Recht zu verhelfen, eine sehr schwierige gewesen. Dieses Buch konnte nur erscheinen, weil Dutzende sowjetischer Schri f tsteller durch mühsam zusammengetragenes Material der historischen Wahrheit zum Siege verhalfen und damit dem Märchen, das Flugzeug sei die Erfindung eines Ausländers, ein Ende bereitet haben. Bei ihrer Arbeit tauchten zahlreiche Unklarheiten und Widersprüche auf. Im vorliegenden Buch wurde alles fortgelassen, was sich nicht durch gewissenhafte Überprüfung an Hand von Archivmaterial, Büchern und Urkunden als authentisch erwiesen hat. Noch manches gilt es aufzufinden und zu präzisieren; darüber werden jedoch noch Jahre vergehen. Aber bereits das, was über Moshaiski und sein Werk bis jetzt bekannt geworden ist, stellt eine hohe Entschädigung für die aufgewandte Mühe dar. Moshaiski war nicht nur der Schöpfer des Flugzeugs -- eines Flugzeugs von revolutionierender Bauart, das den Entwicklungsgang der Flugtechnik vorausbestimmte —, sondern auch ein Forscher und Wissenschaftler, der die Grundlagen für die experimentelle Aerodynamik sowie für die aerodynamische Berechnung des Flugzeugs schuf. Er war der Erbauer der ersten Flugzeugmotoren, ein Neuerer, der auf viele Jahre hinaus den nach ihm kommenden Errungenschaften der Technik seinen Stempel aufgedrückt hat. Moshaiski war eine wissenschaftliche Kämpfernatur, ein Entdecker neuer Wege für die Entwicklung der Technik, ein begeisterter Patriot. Mit Recht muß Moshaiski als der Begründer des Flugzeugbaus und als Gründer der russischen Schule für Flugzeugbau angesehen werden. Bei allen Stellen, die ich während meiner Arbeit in Anspruch nehmen mußte — Archive, Museen, Bibliotheken —, begegnete ich dem Bestreben, bei dieser Arbeit mitzuhelfen. Das zeugt davon, daß den Sow Jetmenschen das Vorbild des großen Flugzeugbauers teuer ist. Ich möchte an dieser Stelle meinen aufrichtigen Dank allen Kollegen aussprechen, die mir bei meiner Arbeit behilflich gewesen sind, und besonders jene gewaltige Unterstützung hervorheben, die mir von der Leitung und dem Kollektiv der. Leningrader Luftflotten-Ingenieurakademie „Rotes Banner" zuteil geworden ist. DER VERFASSER