Margaret Cavendish (1623-1673) ist vor allem bekannt als enfant terrible der Londoner Society, Society, bizarr in Phantasie und Kostüm, penetrant in ihrem Anspruch auf Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs, skandalös in ihrem Streben nach Ruhm. Unbeachtet blieben ihre naturphilosophischen Spekulationen, die sie in kostbaren Ausgaben drucken ließ und kühn an berühmte Philosophen ihrer Zeit verschickte. Strauß rekonstruiert im vorliegenden Band die Naturphilosophie von Margaret Cavendish und bestimmt den Ort ihres Denkens im Horizont ihrer Zeit. Auch in ihrer Philosophie war sie eine Unzeitgemäße. Ihren ersten Entwurf, eine atomistisch-mechanistische Naturtheorie, veröffentlichte sie, als ähnliche Konzeptionen in einer kleinen Gruppe avantgardistischer Philosophen noch im geheimen diskutiert wurden. Und während ihre Zeitgenossen noch um die Etablierung dieser neuen Philosophie kämpften, entdeckte sie darin ein Machtverhältnis: die Macht des Menschen über die Natur. Dagegen entwickelte sie ein Organismusmodell, das von einer beseelten, aktiven Materie ausging, und versuchte damit in heute wieder aktueller Weise, die Würde der Natur neu zu begründen.