In all den Jahrhunderten seit seiner Entstehung hat das Decamerone von Boccaccio seine Beliebtheit bewahrt. Die hundert Novellen dieses Werkes wurden zwischen 1430 und 1440 mit einer gleichen Anzahl von Miniaturen bereichert, die dieses prächtige Manuskript illustrieren, das einst für den Burgunder herzog Philipp den Guten angefertigt wurde. Die Miniaturen finden sich auch in diesem Band wieder, zusammen mit verschiedenen Motiven und im Ganzen abgebildeten Seiten des Originalwerkes. In dieser Form ist das Werk bisher noch nie veröffentlicht worden. Hier also die köstlichen und bezeichnenden Geschichten, die in ihrer feinen italienischen — genauer gesagt, filorentmischen — Sinnlichkeit einer grossen Epoche nicht ihresgleichen finden, und auch in ihrer Komposition dem genauen Leser Freude bereiten. Die Miniaturen zeichnen sich aus durch die Grazie in der Haltung der Personen, die richtige und eingehende Wiedergabe des Gesichtsausdrucks, die Anmutigkeit der Landschaften, durch das Farbenspiel und auch durch die Geschicklichkeit in der Darstellung : zahlreiche Miniaturen fassen in einem Bild zwei charakteristische Episoden einer Novelle zusammen, ohne dadurch eine Verwechslung herbeizuführen. Aufmachung und Textgestaltung von Edmond Pognon, Chefverwalter der Nationalbibliothek von Paris, tragen in ihrer einladenden Form zum Interesse dieses Werkes bei.